Wir leben in dynamischen Zeiten

Wer hätte das gedacht, dass inzwischen sogar Politiker laut darüber nachdenken die Corona-Maßnahmen zu lockern. Das wäre bei Inzidenzen wie jetzt, noch vor 1 Jahr undenkbar gewesen. Und das obwohl gerade über eine allgemeine Impfpflicht nachgedacht wird. Wir sehen uns also einem breiten Spektrum gegenüber von einerseits Aussetzen des Grundrechts auf körperliche Unversehrtheit (Impfpflicht) bis hin zur vollständigen Normalisierung des Alltagslebens, wie es uns gerade von z.B. Dänemark vorgemacht wird. In den Therapien hören wir immerzu, dass die Menschen der Maßnahmen müde sind, dass sie sich nach wie vor in ihren Kontakten einschränken, dessen aber gleichzeitig überdrüssig sind. Letzteres gilt umso mehr, je stärker die einzelnen in Geschäftsbereichen tätig sind, die nach wie vor am härtesten von den Corona-Maßnahmen getroffen werden, die gesamte Veranstaltungsbranche.

Die Inzidenzen sind hoch

Insbesondere Familien stöhnen, dass ihre Kinder immer wieder zu Hause bleiben müssen wegen Infektionen in Kindergarten oder Schule. Hinzu kommt, dass immer mehr Therapiesitzungen kurzfristig abgesagt werden, weil sich jemand infiziert hat oder Kontaktperson ersten Grades ist. Dieses Auf und Ab ist eine Last für alle. Und es trifft zumindest in unserer Praxis nicht vermehrt Ungeimpfte.

Das hat mich erstaunt, kann aber auch Zufall sein. Mich freut es jedes Mal, wenn ich sehe, dass zwar die Infektionszahlen steigen, nicht aber die Zahl der schwer Erkrankten oder gar die Todeszahlen.

Das Bedürfnis nach Sicherheit

Durchhalteparolen helfen, glauben wir, nicht so Recht weiter, jetzt im bald Jahr 3 der Pandemie. Die Fragen der Menschen in unserer Praxis kreisen mehr um das Beziehungsbedürfnis nach Sicherheit. Das war schon die ganze Zeit so, hat aber gerade wieder zugenommen. Dieses Bedürfnis können wir uns nur begrenzt selber befriedigen. Gerade in der Pandemie sind wir auf Informationen von außen angewiesen. Informationen von Wissenschaftlern, von Statistikern, von Politikern. Bei Letzteren zählen sowohl deren Meinungen wie die tatsächlich beschossenen Maßnahmen. Das ist gepaart mit der Frage, wie lange die Meinung oder Entscheidung trägt wie z.B. bei der plötzlichen Verkürzung des Genesenen-Schutzes auf nur 3 Monate (mag das wissenschaftlich noch so plausibel sein).

Ähnlich war es ja bei der Impfpflicht. Bis zum letzten Herbst haben alle gesagt, die werde es nicht geben. Und dann sollte sie plötzlich doch herbeigeführt werden. Erst sollte es schnell gehen, inzwischen ist es eine Vorsicht für den kommenden Herbst. Ist das ein zwingendes Argument für eine Impfpflicht? Da schleichen sich Zweifel ein, zumal wir noch gar nicht wissen können, wie sich das Virus und die Infektionen in ihrer Gesundheitsgefährdung und ihrer schnellen Verbreitung weiter entwickeln werden. Wir befinden uns in einem hoch dynamischen Prozess, den niemand voraussehen kann.

Die Menschen sind verunsichert

Solche und ähnliche Argumente hören wir immer wieder. Vieles ist bedenkenswert und zeigt die Unsicherheit der Menschen. Um das Beziehungsbedürfnis nach Sicherheit besser beantworten zu können, können wir nicht auf die Sicherheit warten, dass das Virus eingedämmt ist.  Wir können auch nicht darauf vertrauen, dass die Wissenschaftler und Politiker uns diese geben werden. Denn die sitzen mit uns in einem Boot und sind dem Geschehen genauso ausgeliefert.

Wir können das Bedürfnis nach Sicherheit zurzeit lediglich im Kreise unserer Nächsten stillen, uns deren Zuneigung versichern und indem wir uns bestmöglich schützen vor Infektionen. Das ist keine vollständige Sicherheit. Zumindest wissen wir, dass wir nicht allein dastehen und dass wir im Zweifel Schutz und Versorgung erhalten. Und wir können unsere eigenen verletzten Beziehungsbedürfnisse nach Sicherheit bearbeiten, wenn diese in der Vergangenheit verletzt wurden, so dass nicht noch zusätzlich zum aktuellen Geschehen sich die alten Wunden schmerzhaft melden und die Situation zusätzlich erschwert.

Es ist möglich, dies bei einem ROMPC-Therapeuten/einer ROMPC-Therapeutin anzugehen. Das Konzept der Beziehungsbedürfnisse ist ein zentrales Konzept der Methode. Es handelt sich um Bedürfnisse, die wir uns nicht selbst befriedigen können, bei denen wir auf andere angewiesen sind.


Im Buch „Veränderung in unsicheren Zeiten“ gibt es 2 Artikel, die sich mit diesem Thema beschäftigen. Zum einen der Artikel von Laura Weil „In der Krise Mitarbeiterbeziehungen neu (er)leben“ S. 83, und Alexandra Carstens „Home-Office im Alltag – Chancen und Herausforderungen“ S. 72. Davon gibt es einen kurzen Auszug auf Netzwerk Stress & Trauma

Das Buch ist gerade im Eigenverlag bei SynBooks erschienen. Es kann bestellt werden über info@synbooks.de oder über die Seite www.veraenderung-in-unsicheren-zeiten.de . Es kostet € 17,80, als E-book € 14,50, jeweils incl. Umsatzsteuer.

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